×

Frage an den Vortragenden

×

Medical Information Request

Manchmal können anhaltende Rückenschmerzen eine unerwartete, heimtückische Ursache haben. Bei chronischen Rückenschmerzen, die im Alter von unter 45 Jahren beginnen, kann es sich um entzündliche Rückenschmerzen handeln, wie sie bei der axialen Spondyloarthritis (axSpA) auftreten – im Spätstadium bekannt als röntgenologische axiale Spondyloarthritis (r-axSpA), ankylosierende Spondylitis (AS) oder auch Morbus Bechterew, in der Frühform als nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (nr-axSpA).i

Chronische entzündliche Erkrankungen wie die axSpA verursachen eine erhebliche Symptomlast, die unbehandelt das tägliche Leben der Patienten beeinträchtigen kann.ii Wiederkehrende nächtliche Rückenschmerzen, morgendliche Steifheit, Müdigkeit und eingeschränkte Funktionsfähigkeit können sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit und die persönlichen Beziehungen der Patienten auswirken.iii, iv, v

Da es oftmals nicht einfach ist, entzündliche Rückenschmerzen von anderen Formen von Rückenschmerzen zu unterscheiden, kann es zu einer verspäteten Überweisung zum Rheumatologen und damit zu einer erheblichen Verzögerung der Diagnose kommen. Dies bedeutet für die betroffenen Patienten unter Umständen ein jahrelanges Leiden unter den nicht behandelten Symptomen und ein hartes Ringen um die richtige Diagnose.2

 

Es gibt eine Reihe von Kriterien, anhand derer sich entzündliche Rückenschmerzen von mechanischen Rückenschmerzen unterscheiden lassen:1

Entzündliche Rückenschmerzen

Grafik Grundkriterien

Sofern die beiden Grundkriterien (Alter beim Auftreten der Rückenschmerzen ≤ 45 Jahre, Andauern der Rückenschmerzen ≥ 3 Monate) sowie mindestens zwei der ergänzenden Kriterien erfüllt sind, sollte der Patient zur weiteren Abklärung an einen Rheumatologen überwiesen werden.

Im Gegensatz zu den entzündlichen Rückenschmerzen können mechanische Rückenschmerzen in jedem Lebensalter auftreten, von beliebiger Dauer sein und über alle Tageszeiten hinweg zutage treten. Die Beschwerden bessern sich häufig durch Ruhe. Sofern eine Morgensteifheit auftritt, ist diese von eher milder Ausprägung und bessert sich rasch wieder. Die Entzündungswerte sind nicht erhöht.

Um Ihnen die Identifizierung von Patienten zu erleichtern, die möglicherweise unter einer entzündlichen Form von Rückenschmerzen leiden könnten, können Sie in Ihrem Praxisalltag auf einen speziellen Screeningbogen zurückgreifen. Diesen können Sie hier herunterladen:

 

 

Es ist wichtig, die Anhaltspunkte für eine entzündliche Erkrankung frühzeitig zu erkennen, um so die Diagnosestellung sowie die Einleitung einer geeigneten Behandlung zu beschleunigen.vi Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Symptomlast einer unerkannten axSpA für die betroffenen Patienten zu einer Beeinträchtigung ihres Lebens führt. Eine Studie unter axSpA-Patienten zeigt:

Grafik Beeinträchtigung

* Ergebnis einer Studie an Patienten mit AS.

Auch eine Laboruntersuchung kann Aufschluss über die tieferen Ursachen von chronischen Rückenschmerzen geben. Die folgenden beiden Labor-Parameter sind wichtige Indikatoren für eine entzündliche Erkrankung wie axSpA:6

Erhöhte CRP- oder ESR-Werte spiegeln direkt systemische Entzündungen wider.vii Insbesondere ein durch andere Gründe nicht erklärbarer erhöhter CRP-Wert ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die chronischen Rückenschmerzen auf eine axSpA zurückzuführen sein könnten.9, viii Allerdings ist aufgrund der geringen Sensitivität und Spezifität dieser Biomarker nicht auszuschließen, dass eine entzündliche Erkrankung vorliegt, obwohl sich die Werte im Normbereich bewegen.9

HLA-B27 ist der wichtigste genetische Marker für axSpA bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen. Ein positiver Test auf HLA-B27 kann daher den Verdacht auf das Bestehen einer axSpA verstärken.ix Aber auch hier gilt: Patienten können an einer axSpA leiden, obwohl sie negativ auf den genetischen Marker getestet wurden.10

Besonders zu beachten ist in diesem Zusammenhang: Es ist möglich, dass auf Röntgenbildern keine Schäden zu sehen sind, denn axiale Entzündungen können im Frühstadium der Erkrankung ohne röntgenologischen Nachweis auftreten.11 Bis sich ein röntgenologischer Befund entwickelt, kann es lange dauern. Viel zeitiger kann man die Entzündungsaktivität im MRT sehen. Die Diagnose entzündlicher Rückenschmerzen sollte daher im Sinne einer möglichst frühzeitigen Diagnose nicht primär auf Röntgenuntersuchungen gestützt werden.

Wenn die Beurteilung des Krankheitsbilds, unter Umständen ergänzt um die genannten Labortests, Anhaltspunkte für entzündliche Rückenschmerzen oder axSpA ergeben haben, sollte der Patient zur weiteren diagnostischen Auswertung an einen Rheumatologen überwiesen werden.6

Rheumatologen verfügen über die geeigneten Mittel und Methoden, um entzündliche Erkrankungen zu diagnostizieren und Behandlungsoptionen zu evaluieren, mit denen sich die Symptome lindern und der zugrunde liegende Krankheitsprozess bekämpfen lassen.6, 11 Auf diese Weise lässt sich eine frühzeitige Diagnose chronisch-entzündlicher Erkrankungen sicherstellen – mit der Folge, dass die Symptomlast bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung reduziert und somit ein ungehindertes Fortschreiten verhindert wird. Eine effektive Behandlung der chronisch-entzündlichen Erkrankung kann den Patienten dabei helfen, ein erfülltes und aktives Leben zurückzuerlangen.2, 11

Patienten mit axSpA sprechen in der Regel gut auf NSAR an, die als Erstbehandlung für diagnostizierte Patienten empfohlen werden.6,x  Nahezu die Hälfte aller Patienten benötigt allerdings innerhalb weniger Wochen eine weitergehende Therapie, um die Symptome in den Griff zu bekommen.12 Hierfür stehen wirksame Behandlungsoptionen zur Verfügung, etwa die Therapie mit Biologika.

Deshalb: Patienten mit chronischen Rückenschmerzen beim Verdacht auf entzündliche Prozesse zur weiteren Abklärung an einen Rheumatologen überweisen!

 

axSpA = axiale Spondyloarthritis; CRP = C-reaktives Protein; ESR = Erythrozytensedimentationsreaktion; HLA = humanes Leukozytenantigen; NSAR = nicht-steroidale Antirheumatika.

Referenzen

  1. Rudwaleit M et al. Arthritis Rheum. 2006; 54(2): 569–578. 
  2. Yi E et al. Rheumatol Ther. 2020;7(1):65-87. 
  3.  Strand V et al. Mayo Glin Proc. 2017;92(4):555-564. 
  4. Garrido-Cumbrera Met al. Ann Rheum Dis. 2020;79(suppl 1):1134-1135. Abstract SAT0374. 
  5. Garrido-Cumbrera M et al. Gurr Rheumatol Rep. 2019;21(5):19. 
  6. Poddubnyy D et al. Ann Rheum Dis. 2015;74(8):1483-1487. 
  7. Druce KL et al. Arthritis Res Ther. 2018;20(1):96. 
  8. Ward MM et al. Arthritis Gare Res. 1999;12(4):247-255. 
  9. Lorenzin M et al. Ther Adv Musculoskel Dis. 2020;12:1759720X20934277.
  10. Rudwaleit M et al. Ann Rheum Dis. 2009;68(6):777-783.
  11. Sieper J et al. Nat Rev Dis Primers. 2015;1:1-16.
  12. Baraliakos X et al. Rheumatofogy (Oxford). 2017;56(1):95-102

 

 i Rudwaleit M et al. Arthritis Rheum. 2006; 54(2): 569–578. 
 ii Yi E et al. Rheumatol Ther. 2020;7(1):65-87. 
 iii Strand V et al. Mayo Glin Proc. 2017;92(4):555-564. 
 iv Garrido-Cumbrera Met al. Ann Rheum Dis. 2020;79(suppl 1):1134-1135. Abstract SAT0374. 
 v Garrido-Cumbrera M et al. Gurr Rheumatol Rep. 2019;21(5):19.
vi Poddubnyy D et al. Ann Rheum Dis. 2015;74(8):1483-1487. 
vii Lorenzin M et al. Ther Adv Musculoskel Dis. 2020;12:1759720X20934277.
viii Rudwaleit M et al. Ann Rheum Dis. 2009;68(6):777-783.
ix Sieper J et al. Nat Rev Dis Primers. 2015;1:1-16.
x Baraliakos X et al. Rheumatofogy (Oxford). 2017;56(1):95-102.